Oder-Neiße grenzenlos

Die Schlossherrin und die Wundertüte

Birgit Glowik ist fast eine Schlossherrin. Seit über 15 Jahren kümmert sie sich um Schloss Penkun, ein Pommerscher Landsitz umgeben von Seen in einer malerischen Landschaft – tagtäglich und das ehrenamtlich. In dem Schloss, das der Stadt Penkun gehört, befindet sich über drei Etagen in 44 Zimmern ein Museum. „Lassen Sie sich überraschen“, sagt die Schlossherrin und Museumsleiterin bevor sie ihre Besucher auf den Rundgang schickt. „Es ist wie eine Wundertüte.“

Der Rundgang beginnt in der Küche mit einem mehrere Meter langen Holzherd mit drei Feuerstellen. „Dieser wurde bis zur Wende für die Kantine der LPG benutzt“, erklärt Birgit Glowik. Heute sind auf dem Herd Waffeleisen und Kochutensilien aus den verschiedensten Jahrhunderten drapiert. Weiter geht es durch die dreiflügelige Schlossanlage – zum Glück ist der Weg ausgeschildert – vorbei an Tierpräparaten, Möbeln und Kleidung aus verschiedenen Epochen, an DDR-Geschichte, an Penkuner Frühgeschichte, durch ein historisches Klassenzimmer und vieles, vieles mehr. Die Sammelleidenschaft des Museumsvereins ist immens und gleicht wirklich einer Wundertüte. Auf dem Rundgang liegt auch der große Festsaal. Der Fußboden zeigt große Dellen. „In dem Saal machen wir gelegentlich Konzerte. Der Fußboden hält“, kommentiert Birgit Glowik.

Das Schloss aus dem 16. Jahrhundert war in den 1980er Jahren einsturzgefährdet. Es wurde schon von Abriss gesprochen. 1985 gründete sich eine Arbeitsgruppe aus engagierten Pekuner Handwerkern, die sich für die Erhaltung des Schlosses einsetzten und auch selbst Hand anlegten, um den Verfall zu stoppen. 1991 begannen die Sanierungsarbeiten mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Saniert ist das Schloss noch lange nicht, aber gesichert. Seit 1998 hat der Museumsverein das Nutzungsrecht der Schlossräume und somit ist das Schloss für die Öffentlichkeit zugänglich. 2008 richtete der Museumsverein im ehemaligen Verwalterhaus eine Ausstellung zur Geschichte der deutsch-polnischen Grenze ein (siehe extra Beitrag).

Birigit Glowik hat zu DDR-Zeiten in der Krankenpflege gearbeitet, nach der Wende wurde sie arbeitslos und hatte verschiedene Jobs. 2005 kam sie als ABM-Kraft (Arbeitsbeschaffungsmaßnahme) zum Schloss Penkun und zum Museumsverein. „Und diese Arbeit hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich dabeigeblieben bin, bis heute“, lacht Birgit Glowik, zweite Vorsitzende des Museumsvereins. Mittlerweile konnte sie sogar ihren Mann Jürgen für das Schloss und das Museum begeistern, so dass sie sich jetzt gemeinsam engagieren.

Von April bis Oktober haben Museum und Schloss an sechs Tagen in der Woche geöffnet. Dienst machen Birgit und Jürgen Glowik (64 und 65 Jahre). Dazu gehört nicht nur, sich um die Besucher zu kümmern, sondern auch alle Reinigungs- und kleinere Reparaturarbeiten. „Mein Mann verkittet die Fenster und ich putze hinterher“, beschreibt Birgit Glowik, was es heißt, sich um das Schloss kümmern. „Es sind 190 Fenster“, ergänzt Jürgen Glowik. Der gelernte Maler kann seinen Beruf nicht mehr ausüben, aber hier im Schloss und Museum kann er sein handwerkliches Talent gut einsetzen.

Im Schloss ist immer etwas los: Jährlich kommen etwa 2000 Besucher in das Museum. Zusätzlich gibt es Ausstellungen, Konzerte, Kulturveranstaltungen oder Vorträge. Die Eingangshalle mit der Gewölbedecke wird für kleine Feiern und manchmal sogar für Hochzeiten gebucht. Regelmäßig kommen Schulklassen in das Schloss. „Wir organisieren dann Schatzsuchen oder waschen mit den Kindern Wäsche auf dem Waschbrett“, erzählt Birgit Glowik. „Wenn wir nicht wären, wäre das Schloss zu“, so ihr Mann. „Aber es macht uns auch großen Spaß.“  2020 erhielten sie beide für ihr außerordentliches Engagement für Schloss und Museum in Penkun den Ehrenamtspreis des Landkreises Vorpommern-Greifswald. „Über diese Auszeichnung und Belobigung haben wir uns sehr gefreut.“

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